Ein Mann der Daten

EIN TAG MIT JÜRGEN KOCHER
Prokurist, "kaufmännischer Leiter"

Es gibt wahrscheinlich nur wenige, die Eichbaum so gut kennen wie er. Er war schon da, als die Brauerei ihren 300. Geburtstag feierte. Inzwischen ist sie 338 Jahre alt – und Jürgen Kocher trägt als kaufmännischer Leiter maßgeblich dazu bei, dass sie eine nachhaltige Zukunft hat. Seit 2010 gehört er zur Geschäftsleitung und zeichnet für die Bereiche Betriebswirtschaft, Kreditoren, Debitoren, Steuern und EDV verantwortlich. EICHBAUM aktuell warf mit ihm einen Blick in sein Reich, in dem neben den Daten und Zahlen auch der Teamgeist eine wichtige Rolle spielt.

Vor einigen Generationen war es noch die Regel, dass man von der Ausbildung bis zur Rente in ein und demselben Betrieb arbeitete. Mittlerweile gehört so viel Kontinuität schon eher zu den Ausnahmen, die meist nur noch dann möglich sind, wenn das Unternehmen und der Mitarbeiter besonders gut zueinanderpassen. So wie Eichbaum und Jürgen Kocher, der kam, sah und blieb. Die beiden haben sich ganz offensichtlich im sprichwörtlichen Sinn gesucht und gefunden. Sie teilen den Sinn für jahrhundertealte (Brau-)Tradition genauso wie das Bewusstsein für die Vorzüge modernster Technologie, den ausgeprägten Willen zum nachhaltigen Erfolg ebenso wie den Wunsch nach familiärer Atmosphäre.

Dass Kochers Wort in der Eichbaum-Familie heute in allen Bereichen rund um Finanzen und EDV Gesetz ist, liegt nicht in erster Linie an den hierarchischen Sternchen an seinem Revers, die ihn als Prokuristen, Mitglied der Geschäftsleitung und kaufmännischen Leiter ausweisen. Es liegt vielmehr an seinen persönlichen Stärken, zu denen neben der unverzichtbaren fachlichen Kompetenz auch die Bereitschaft, zuzuhören, die Fähigkeit, zu analysieren, und die Entschlossenheit, zu handeln, gehören. Dazu kommen dann noch seine allseits hochgeschätzten Teamplayerqualitäten und seine enorme Erfahrung, die er übrigens nicht nur im Controlling sammelte.

Begonnen hat Jürgen Kocher seine Laufbahn bei Eichbaum 1979 kurz vor der 300-Jahr-Feier des Unternehmens mit einer Ausbildung zum Industriekaufmann. Als dann 1981 im damaligen Expeditionsgebäude das erste EDV-System eingeführt wurde, ist er in den Telefonvorverkauf gegangen und hat dabei mitgeholfen, die Tourenplanung zu optimieren. 1992 wechselte er in den Innendienst, zunächst als Assistent des Gesamtvertriebsdirektors, später als Projektleiter in der Vertriebskoordination. Ins Controlling zog es ihn erst 2002, acht Jahre später erhielt er Prokura und zeichnet seither für die Bereiche Betriebswirtschaft, Kreditoren, Debitoren, Steuern und EDV verantwortlich. „Ich habe mich eigentlich schon immer als Zahlenmensch gesehen“, verrät Jürgen Kocher. „Aber heute kommt es mir sehr entgegen, dass ich mehrere Bereiche unseres Unternehmens kennenlernen durfte. Außerdem blicke ich im Grunde nicht auf 38 lange Jahre Betriebszugehörigkeit bei Eichbaum zurück, sondern auf viele kurzweilige Zeiträume, in denen ich mich mit ganz unterschiedlichen Dingen beschäftigt habe. Für mich ist das nicht ganz unwichtig, weil ich kein großer Freund von Routinetätigkeiten bin.“ Das Risiko sich allzu oft wiederholender Fragestellungen hält sich für ihn auch heute in sehr überschaubaren Grenzen. Natürlich gibt es alle Jahre wieder ab August die Phase der Planungen für Produktionsmengen, Gemeinkosten und Erlöse

Kein großer Freund von Routinetätigkeiten

im nächsten Geschäftsjahr, natürlich stehen monatliche Ergebnisrechnungen und Reports auf seiner Agenda sowie der tägliche Blick auf den Liquiditätsverlauf. Ansonsten aber sind es ganz spezifische Herausforderungen, mit denen es Jürgen Kocher zu tun bekommt. Eine Besonderheit ist zum Beispiel die typische Saisonkurve des Brauereigeschäfts: Dass in der wärmeren Jahreszeit teilweise erheblich mehr Bier verkauft wird als in kälteren Monaten, macht die Feinjustierung der Finanzpolitik im Hinblick auf Personal, Kapazitäten und Zahlungszielvereinbarungen zur echten Denksportaufgabe.

Und auch die effiziente Abwicklung der administrativ extrem komplexen Anforderungen der Biersteuer bedarf ausgeklügelter Konzepte. Da die regionalen Bierspezialitäten der Privatbrauerei Eichbaum inzwischen auch im Ausland hoch im Kurs stehen und dort die Gaumen der Genießer gewissermaßen im Sturm erobern, wird das Know-how im internationalen Business immer wichtiger. So kann es also durchaus vorkommen, dass Kocher vormittags Kundenkonditionsprüfungen des.

Jürgen Kocher und Mathias Roos im Server-Raum

Vertriebs durchführt, um nachmittags in die Welt der Euler- Hermes-Bürgschaften einzutauchen. „Der Warenverkauf in andere Länder hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen, wobei das wachsende Auslandsgeschäft natürlich auch unserem regionalen Engagement zugutekommt.“ Was im Moment ganz oben steht auf Kochers Prioritätenliste, ist die EDV-Anbindung des neuen Hochregallagers. Der Clou dabei steckt im Zusammenspiel des maßgeschneiderten Lagersystems und des eigentlichen EDV-Systems der Privatbrauerei. Das nämlich ist von SAP: ein Überbleibsel aus der Zeit, in der Eichbaum zum Actris-Konzern gehörte. „Zu Anfang war uns der SAP-Anzug noch etwas fremd, aber mittlerweile gelingt uns der Umgang sehr gut, sodass auch Anbindungen von Drittsystemen heute keine große Herausforderung darstellen. Ich bin ganz sicher, dass wir mit der Kombination der beiden Systeme die optimale Lösung gefunden haben“, meint Jürgen Kocher – und fügt augenzwinkernd hinzu: „Das, was als Erstes perfekt funktionieren wird in unserem neuen Hochregallager, ist auf jeden Fall die EDV.“