In die Welt des Bieres ist in den letzten Jahren so richtig Bewegung gekommen. Rund um den Globus experimentieren kreative Braumeister mit neuen Rezepturen und erobern mit innovativen Spezialitäten die Herzen und Gaumen der Genießer. Neben der aus den USA herübergeschwappten Craftbier-Welle sorgen im Bierland Deutschland nicht zuletzt einige besonders edle Kompositionen für Aufsehen, die dem Wein inzwischen selbst in der Sterne-Küche schmackhafte Konkurrenz machen.

Irgendwann, so lehrt die Erfahrung, schlägt jedes Pendel in die entgegengesetzte Richtung aus. Nachdem die multinationalen Braukonzerne lange Zeit und durchaus mit einigem Erfolg versuchten, den geschmacklichen Mainstream auf wenige Einheitsbiere zu reduzieren, hat vor einigen Jahren das Zeitalter der neuen Vielfalt begonnen.
Was unter Weinliebhabern schon immer zum guten Ton gehörte, wird also allmählich auch unter Biergenießern zum beliebten Volkssport: die vertrauliche Weitergabe höchst persönlicher Geheimtipps. Denn fast überall auf der Welt entstehen derzeit neue Bierspezialitäten. Die Herangehensweise der kreativen Braumeister ist dabei äußerst unterschiedlich: Die einen variieren und interpretieren traditionelle Rezepturen auf individuelle Art, die anderen experimentieren mit speziellen Zutaten wie etwa ganz besonderen Hopfensorten.

Der Centennial beispielsweise ist ein amerikanischer Hopfen, der einen ordentlichen Alphasäuregehalt mit blumigen Zitrusnoten bietet, während die Sorte Cascade für ein sehr ausgeprägtes blumiges und würziges Aroma sorgt. Und auch beim Malz gibt es feine, für den Geschmack jedoch entscheidende Unterschiede. Karamellmalze zum Beispiel erhöhen die Vollmundigkeit, machen sattere Farben, intensivieren das Malzaroma und sorgen für einen prachtvollen Bierschaum – Röstmalze dagegen bringen, wie der Name schon sagt, ein typisches Röst-Aroma und eine schwarze intensive Farbe. Doch bei der sorgsamen Auswahl der Zutaten hört der Einfallsreichtum der Brauer längst nicht auf. So gehen sie auch gern innovative Wege, was Brauverfahren und Lagerung angeht: vom Ausprobieren unterschiedlicher Brau-Temperaturen über die Reifung des Suds in besonderen Sherry-, Bourbon- oder Barrique-Fässern bis hin zum Hopfenstopfen mit dem sogenannten Hopfentorpedo. Was leicht martialisch klingt, ist übrigens ganz harmlos und einfach zu vergleichen mit einer Espressomaschine. Anstelle von Bohnen kommt hierbei eben der Aromahopfen zum Einsatz. Das Bier wird durch den mit Hopfen gefüllten „Torpedo“ in den Lagertank gepumpt. So wird garantiert, dass das Bier gleichmäßig mit dem Hopfen in Berührung kommt. Die Intensität der Hopfenaromen kann dadurch exakt kontrolliert werden.

Die durch all diese Maßnahmen entstandene unglaubliche Geschmacksvielfalt in der Bierszene macht auch eine viel dezidiertere Sprache notwendig, um den Genießern die feinen Nuancen verdeutlichen zu können. Seit etwa zehn Jahren bietet die Doemens Genussakademie in München deshalb eine Ausbildung zum Bier-Sommelier an. Etwa 600 Absolventen gibt es bereits und sie alle helfen tatkräftig dabei mit, das Image des Bieres auf ein neues Level zu heben. „Bisher“, so Doemens-Geschäftsführer Dr. Wolfgang Stempfl, „entspricht die Wahrnehmung von Bier vonseiten des Verbrauchers nicht der Wertigkeit, die diesem Produkt zusteht. Abseits des gewohnten Geschmacksbilds braucht es Botschafter, die dem Verbraucher Bier in all seinen Facetten erklären und ihn vom Biertrinker zum Bierenthusiasten wandeln.“


Noch weitaus vielfältiger als die Rezepturen für die Haute Cuisine präsentieren sich die Spezialitäten, die auf der sogenannten Craftbier-Welle zu uns herübergeschwappt sind. Kurz ausgedrückt ist Craft Beer handwerklich (craft) gebrautes Bier (Beer). Doch diese Definition ist zu einfach, zu vage und lässt reichlich Interpretationsspielraum. Auch der meist stark hopfenbetonte und oftmals fruchtige Bierstil ist nicht automatisch ein Indikator: Ein extra stark gehopftes Bier ist nicht automatisch ein Craft Beer und andersrum ist ein schwach gehopftes Bier nicht unbedingt keines. Es geht mehr um die Unterscheidbarkeit eines Bieres von anderen Bieren. Biere mit eigenem Charakter sind Craftbiere. Ein Craft Beer ist ein Bier, das sich von der Masse abhebt.

Die Geschichte des Craft Beer reicht dabei weit zurück: In den USA ist Homebrewing, das Bierbrauen in den eigenen vier Wänden, schon seit den Zeiten der Prohibition in den 1920er-Jahren bekannt. Legalisiert wurde es erst Ende der 1970er-Jahre. Aber von da an formierte sich dann sehr schnell ein rasant wachsender Markt für amerikanische Craftbiere. 1994 gab es bereits 537, im Jahr 2012 schon über 2.300 Kleinbrauereien, die mit ungewöhnlichen Spezialitäten auf sich aufmerksam machten. In Großbritannien, wo das Homebrewing schon seit 1963 erlaubt ist, ging es zunächst vorwiegend darum, Bier möglichst preiswert herzustellen. Die Freude an besonderen Rezepturen stand hier erst ab Mitte der 1980er-Jahre im Vordergrund. Kurz zuvor, im Jahr 1982, war dank eines Beitrags in der TV-Sendung „Hobbythek“ auch in Deutschland der Startschuss für das Homebrewing gefallen.

Bevor er entsprechende Anleitungen verbreiten durfte, musste sich Moderator Jean Pütz erst einen raffinierten Weg durch das Dickicht deutscher Bürokratie suchen. Bisher nimmt der Trend zu den Craftbieren in Deutschland nur langsam an Fahrt auf. Dies liegt möglicherweise auch daran, dass es hierzulande schon seit jeher eine Reihe von regionalen Brauereien gibt, die den Mut haben, echte Spezialitäten zu entwickeln – und damit eine willkommene Alternative zu den austauschbaren Industriebieren multinationaler Braukonzerne zu bieten. Eichbaum-Chef Jochen Keilbach formuliert das so: „Natürlich sind Craftbiere eine besondere Spezialität, jedoch kein Ersatz für unsere klassischen Biere. Und gerade bei Eichbaum haben wir eine Vielzahl ausgezeichneter Klassiker und außergewöhnlicher Bierspezialitäten, sodass wir eine tolle Geschmacksvielfalt auf höchster Qualitätsstufe bieten können.“ Doch unabhängig davon darf sich auch die Kurpfalz ab Herbst auf drei Biere der Sorte „Craft“ freuen: Die Privatbrauerei Eichbaum braut exklusiv für den Ausschank in ihren Brauhäusern die ganz besonderen Tropfen ein.

... unsere Craft Biere: Eichbaum Brauhaus Edition